Aktuelles von der Baustelle

An der gesperrten Roßmühlstraße zwischen Altstadt und Gießereigelände, direkt neben der THI, tut sich in der letzten Zeit viel. Die kürzlich abgesenkte Straße, die von der Innenstadt kommend direkt auf die Gießereihalle zuläuft, setzt die Baustelle des zukünftigen MKKDs ins Zentrum der Wahrnehmung. Im Inneren laufen zeitgleich verschiedene Maßnahmen, die immer viel mit denkmalpflegerischen Maßnahmen der alten Substanz zu tun haben. Der aktuelle Zeitplan rechnet mit einer Gebäudeübergabe im Frühjahr 2022. Nach weiteren sechs Monaten der Inbetriebnahme und Einrichtung soll die Eröffnung des MKKDs stehen.

 

September 2020

Foto: Gert Schmidbauer

 

Als nächster Schritt steht die Bodenplatte im Untergeschoss an. Mit der Bodenplatte wird auch das Areal ersichtlich, das später den Ausstellungsraum bilden wird. Etwa 2000m² Fläche werden dann mit Konkreter Kunst und Design bespielt. Damit rückt die Realisierung des Neubaus wieder ein Stück näher.

 

AUGUST 2020

Foto: Gert Schmidbauer

 

Die Museumsbuche hat Schlagzeilen in Ingolstadt gemacht.
Das besondere an diesem Baum? Es handelt sich um ein Naturdenkmal, welches höchsten Schutz erfährt. Leider ist die Museumsbuche jedoch mit den Hallimasch und Phytophtora Pilz befallen. Diese beiden Pilze breiten sich im Organismus aus und haben den Baum massiv geschädigt Die Museumsbuche zeigt deutliche Symptome der Buchenkomplexkrankheit. Das Krankheitsbild ist sehr aggressiv, nicht vorhersehbar und anfangs schwer zu erkennen. Außerdem setzt der Klimawandel dem Baum extrem zu, obwohl die Museumsbuche seit Jahren bewässert wird (2x pro Woche mit 6.000 Liter) Viele Buchen sind diesem extremen Klimawandel bereits zum Opfer gefallen. Es wurde bestätigt, dass der Pilzbefall der Museumsbuche und ihr aktuelles Erscheinungsbild nicht im Zusammenhang mit der Baustelle des MKKD steht.

 

JULI 2020

Foto: Gert Schmiedbauer

 

Derzeit wird auf der Baustelle, wo das zukünftige Museum entstehen wird, nicht nur in die Tiefe gegraben, um dort die über -7 Meter tief liegende Bodenplatte einzuziehen, sondern auch fleißig das Dach saniert. Beides Maßnahmen, um die Kunst vor Wasser zu schützen.
Kunst gibt es seit Anfang Juni bereits an der Westfassade des Gebäudes. Mit der Lichtinstallation VIERKANT markiert das Künstlerduo Hartung & Trenz die ehemalige Gießereihalle als einen Kunstort. Zu sehen ist die Lichtprojektion immer nach Einbruch der Dunkelheit.

 

JUNI 2020

Foto: Gert Schmidbauer

Ein Gespräch mit dem Projektsteurer Holger Kirchmann von Meixner + Partner in Augsburg

Seit November 2012 betreut das Büro Meixner + Partner den Neubau des MKKD auf dem Gießereigelände. In enger Abstimmung mit dem Hochbauamt als Bauherrn und Projektleiter sowie den Architekten als Generalplaner (querkraft in Wien) stellt der Projektsteurer die Abwicklung der einzelnen Planungs- und Ausführungsschritte sicher und dokumentiert das Bauprojekt. Ausschreibungen werden von ihm vorbereitet und geprüft, Lösungen für technische und planerische Fragen gesucht sowie enge Abstimmungen mit Fördergebern durchgeführt. Holger Kirchmann, der seit September 2012 bei Meixner + Partner arbeitet, ist auch für Simone Schimpf ein wichtiger Ansprechpartner. Sie unterhielt sich mit ihm über den Fortgang der Baustelle.

Simone Schimpf: Herr Kirchmann, wenn ich dieser Tage am Gießereigelände vorbeiradle, sehe ich nicht so viel Bewegung an unserer Baustelle. Doch der Eindruck täuscht. Es geht nun nach einigen schwierigen Monaten gut voran. Was wird gerade gemacht?

Holger Kirchmann: Es ist richtig, dass es nach einigen schwierigen Monaten, vor allem Anfang und Mitte des letzten Jahres, seit Mitte September 2019 auf der Baustelle des MKKD gut voran geht. In den letzten Monaten wurden insgesamt 72 Großbohrpfähle in einer Tiefe bis zu 15m errichtet. Diese Großbohrpfähle sind entscheidend, um das historische Gebäude der Gießereihalle später auf den tragenden Baugrund ablasten und die archäologischen Grabungsarbeiten von derzeit -5,0m auf -7,10 fortsetzen zu können. Vieles geschieht gerade in einer Tiefe von -5,0m, teilweise auch im Schutz der historischen Wände der Gießereihalle. Deswegen kann der Eindruck entstehen, dass auf der Baustelle kaum Aktivität ist.

Jedoch täuscht dieser Eindruck. Gerade der Spezialtiefbau, eines der Schlüsselgewerke, befindet sich kurz vor Fertigstellung und wird größtenteils bis Ende Mai/Anfang Juni 2020 abgeschlossen sein. Danach werden die zuvor genannten archäologischen Grabungen bis auf -7,10m fortgeführt. Sollte in den letzten 2,10m kein archäologischer Fund auftreten, kann ab August 2020 mit den Betonarbeiten des Kubus für das spätere Museum und seinen außenliegenden Museumstaschen begonnen werden.

Aber nicht nur in der Tiefe sondern auch auf dem Dach werden die Bauarbeiten fortgeführt. Die Zimmermannsleute haben bereits einen Großteil der Dachsanierung abgeschlossen. Für deren Folgegewerke der Spenglerarbeiten und der Sheddachverglasungen finden derzeit Abstimmungsgespräche zwischen der Objektüberwachung FCP aus Wien und den ausführenden Firmen statt. Diese beiden Gewerke sind eng an die Zimmermannsarbeiten geknüpft und werden in den kommenden Wochen ebenso ihre Tätigkeiten aufnehmen.

SiSchi: Gibt es irgendwelche Einschränkungen an der Baustelle durch Corona? Kann etwas nicht wie geplant ausgeführt werden?

HK: Zunächst können wir alle dankbar sein, dass wir von der Corona-Pandemie gesundheitlich bis heute selbst nicht heimgesucht worden sind. Auch was die Baustelle betrifft, gab es bis jetzt zum Glück nur einen kleinen Lieferengpass bei der Bereitstellung von zwei Sicherheitsnetzen. Ansonsten sind bis dato auf der Baustelle keine Beeinträchtigungen aufgrund der Corona-Pandemie zu spüren. Eventuelle weitere Lieferengpässe, reduzierter Personaleinsatz oder gar Stilllegung der Arbeiten sind bis dato nicht eingetreten. Hierfür sind wir sehr dankbar und hoffen für den Neubau des MKKD, dass dies auch so bleiben wird.

SiSchi: Wir stellen uns auf eine Bauübergabe im Frühjahr 2022 ein. Dann brauchen wir weitere sechs Monate für die Inbetriebnahme und Einrichtung. Was sind die Meilensteine bis zur Übergabe?

HK: Viele Meilensteine werden uns in den kommenden verbleibenden fast zwei Jahren begleiten und als Kompass dienen, der das Projekt durch die „rauhe See“ leitet. Sollte das Erreichen eines Meilensteines in Gefahr geraten, zeigt er uns frühzeitig an, gegenzusteuern. Mit großer Spannung, aber auch Freude, steht mit Fertigstellung des Spezialtiefbaues im Juni 2020 der nächste große Meilenstein im Projekt an. Seine Erreichung ist entscheidend, um die historische Gießereihalle über die 72 Großbohrpfähle auf den tragenden Grund ablasten zu können. Erst wenn dieser Lastabtrag erfolgt ist, können die archäologischen Grabungen bis auf -7,10m fortgeführt werden. Der nächste wichtige Meilenstein ist der Abschluss der archäologischen Grabungen und der Beginn der Betonarbeiten für die Bodenplatte und das gesamte Untergeschoss, in dem sich später das Museum befinden wird. Dieser Meilenstein ist für Spätsommer 2020 terminiert. In den Folgemonaten wird bis zum Frühjahr 2021 der Kubus des Museums errichtet. Neben dem Museumsbereich, welcher sich im Untergeschoss nahezu über die gesamte Fläche der bestehenden Gießereihalle erstreckt (76,5m x 23,0m), werden ergänzend zwei Museumstaschen den Ausstellungsraum des Museums nach Norden erweitern und den späteren Besuchern hier die einmalige Möglichkeit liefern, unter den ehemaligen historischen Fundamentbögen hindurchzugehen.

Drei weitere große Meilensteine beim Neubau des MKKD sind die Fertigstellung der Rohbauarbeiten im Sommer 2021, der Abschluss der Außenanlage vor Weihnachten 2021 und die finale Übergabe des MKKD im Frühjahr 2022.

SiSchi: Sind da noch größere Schwierigkeiten zu erwarten? Müssen wir uns womöglich auf weitere Verzögerungen einstellen?

HK: Gerade im Hinblick auf das letzte sehr ereignisreiche und bis Mitte September (Beginn Errichtung 1. Großbohrpfahl) auch sehr schwierige Jahr 2019 ist Ihre Frage nachvollziehbar. Jedoch hat gerade das letzte Jahr gezeigt, dass trotz aller Schwierigkeiten der Glaube an das einmalige Projekt des MKKD nie verloren ging und sich mit Beginn des ersten Großbohrpfahles ein besonderer Spirit entwickelte, welcher u.a. auch von Vertretern der Regierung von Oberbayern Ende November 2019 vor Ort auf der Baustelle selbst sehr positiv wahrgenommen wurde. Nach aktuellem Baufortschritt der letzten Monate und Anvisierung der zuvor genannten Meilensteine sind wir überzeugt, dass die Fertigstellung des MKKD im Frühjahr 2022 gelingen wird. Aber es wäre auch vermessen, wenn wir Ihnen zusichern würden, dass weitere Verzögerungen ausgeschlossen sind. Wir alle können derzeit nicht einschätzen, ob unvorhergesehene Ereignisse eintreten werden. Wir denken, gerade der Einfluss der Corona-Pandemie hat uns allen gezeigt, dass manche Dinge nicht vorhersehbar sind.

SiSchi: Sie sind bestens mit dem Projekt vertraut. Was gefällt Ihnen daran so gut? Was macht es aus Ihrer Sicht so besonders?

HK: Von Beginn an hat es mich fasziniert, dass die historische Gießereihalle aus dem Jahr 1882 nahezu erhalten bleibt und die zeitliche Geschichte von einst nicht verloren geht. Vielmehr gelingt es mit der Wandelung der ehemaligen Gießereihalle in das neue Museum für Konkrete Kunst und Design, bestehende historische Substanz beizubehalten und einer neuen Nutzung zu überführen. In dem historischen Gebäude zu stehen, zeitgleich fällt durch die großen Fensteröffnungen im Norden und Süden das Sonnenlicht in das Halleninnere, hat nach all den Jahren nie seine Faszination verloren und wird auch später die Besucher des Museums in ihren Bann ziehen. Aber auch in der technischen Umsetzbarkeit und den Herausforderungen stellt das Projekt des MKKD etwas ganz Besonderes dar. Der Ansatz, unter ein denkmalgeschütztes Gebäude ein vollständiges Geschoss neu zu errichten, das Gebäude auf 72 Großbohrpfählen abzulasten und dann das spätere Museum quasi unter das Gebäude zu schieben ist herausfordernd und spannend zu gleich.

Wir - Meixner + Partner -  sind überzeugt, dass das neue Museum ein zentraler „Eyecatcher“ bedeutende Attraktion in Ingolstadt aber auch weit darüber hinaus wird. Ein Museum das sich in Europa behaupten und viele internationale Ausstellungen erfahren wird. Wir betrachten dieses Projekt als einzigartig, weil wir fest davon überzeugt sind, dass der Neubau des MKKD in der historischen Gießereihalle eine enorme Wirkung in der Bevölkerung und vor allem in der Kulturszene haben wird. Es entsteht in unseren Augen mit dem MKKD etwas Faszinierendes und bei dieser Entstehung von Beginn an dabei zu sein, ist eine einmalige Erfahrung und spornt uns jeden Tag aufs Neue an. Selbst in schwierigen Zeiten hat uns die Überzeugung an die Einzigartigkeit des MKKD nie zweifeln lassen, vielmehr bestätigt, dass wir Teil eines ganz besonderen Projekts sind. Wir haben Ehrfurcht und sind sehr dankbar, Teil der Entstehungsgeschichte des MKKD zu sein.

SiSchi: Für mich ist es immer eine große Freude, mich mit Ihnen über das MKKD zu unterhalten, da Sie, genauso wie wir, für das Projekt brennen und überzeugt sind, dass hier etwas Einzigartiges entsteht. Haben Sie vielen Dank für Ihre Unterstützung und das Gespräch!

Mai 2020

Foto: Gert Schmidbauer

 

"In den letzten Monaten wurden insgesamt 72 Großbohrpfähle in einer Tiefe bis zu 15m errichtet. Sie sind entscheidend, um das historische Gebäude später auf tragenden Baugrund ablasten zu können. Vieles geschieht gerade in einer Tiefe von -5m. Nicht nur in der Tiefe auch auf dem Dach werden die Bauarbeiten fortgeführt. Die Zimmermannsleute haben bereits einen Großteil der Dachsanierungen abgeschlossen."

Holger Kirchmann, Projektsteurer des MKKD Neubaus