#callforart

Kunstseelsorge


Telefon Modell TEA702 von TEKADE

 #callforart ist ein neues Programm, um in Zeiten der geschlossenen Museen und sozialen Distanzierung weiterhin über Kunst zu sprechen und in Kontakt zu treten. 

Jeden Freitag stellt eine Mitarbeiterin des Museums ein Kunstwerk vor, welches ihr am Herzen liegt. Dies wird auf dieser Website und auf den Social Media Kanälen Instagram und Facebook veröffentlicht. Am darauf folgenden Montag können Kunstinteressierte zwischen 10 und 12 Uhr anrufen und über genau dieses Werk mit der jeweiligen Mitarbeiterin sprechen. Für die Telefonate ist ein Rahmen von 10 bis 15 Minuten angedacht.

0841 305 2880

Wir danken dem Kunsthaus Baselland, die uns zu dieser Idee inspiriert haben!

Montag, 6. April

#callforart

Lieblingsstück von Theres Rohde



Ausstellungsansicht Out of Office, 2017; Tina Haase, London, 2012

Tina Haase, "London", 2012

Out of Office – die Abwesenheitsnotiz ist aktueller denn je. Ob wir den momentanen Zustand als willkommene Abwechslung vom gewohnten Büroleben oder als Zwang empfinden, er ändert unseren Blick auf den bisherigen Arbeitsalltag. Gerade deshalb gehört das Werk „London“ von Tina Haase für mich zu den Sammlungstücken der Stunde.

Die Künstlerin montierte Plastikordner übereinander und komponierte ein mehrschichtiges Werk, an konkrete Malerei erinnernd. Statt mit Leinwand und Farbe, die als Materialien in der Kunst anerkannt sind, arbeitete sie mit Behelfsobjekten des Büros. In den farbigen, durchscheinenden Kunststoffflächen der Ordner entdeckte sie ästhetisches Potenzial.

„London“ wurde nach der Ausstellung „Out of Office“ vom MKK angekauft. Damit ist eine Erinnerung an Haases Wandarbeit „Wieviel Farbe kannst du noch ertragen?“ geblieben, die temporär für die Ausstellung und nur in unserem Museum existierte. Wer sie erleben wollte, musste das MKK besuchen.

Gerade heute, da wir gezwungen sind, Zuhause zu bleiben, lernen wir Orte schätzen, die wir sonst als selbstverständlich hinnehmen. Das Büro oder das Museum – ich freue mich wieder auf beides.

Dr. Theres Rohde

Montag, 30. März

#callforart

Lieblingsstück von Alexandra Liebherr



Shannon Finley, Sunset, 2015

Shannon Finley, Sunset, 2015

Definitiv ein Blickfang und mein persönliches Lieblingsstück: Shannon Finleys „Sunset“.
Aus nächster Nähe betrachtet scheint hier und da, unter viel Farbe ein Stück Leinwand hervor -  sichtbar dort wo Finley mit dem Spachtel die dicken Farbschichten am Keilrahmen ausdrückt.  
Aus der Ferne lässt sich kaum erkennen, dass es sich um ein Acrylgemälde handelt, denn seine symmetrischen Kompositionen sprechen eine digitale Formsprache. Zu dieser kommt es nicht zuletzt dadurch, dass Finley seine Bilder zuerst auf dem Computer konzipiert. Vom Bildschirm auf die Leinwand überträgt er seine Bildidee mit bis zu 40 dünnen Farbschichten. Beim Schichten der Farbe zieht Finley einen scharfen Spachtel über die Leinwand und nutzt Klebeband um seine Prisma ähnlichen Formen zu gestalten.
Durch die Variationen der Schichten an Dicke und Breite entstehen subtile Farbverschiebungen und Texturen. Meistens, wie auch bei „Sunset“, grundiert Finley die Leinwand mit einem Neonpink, welches bis in die oberer Schicht durchscheint. Dadurch entsteht ein faszinierendes Leuchten in seinen Arbeiten, so dass seine Gemälde wirken als wären sie von hinten bestrahlt.

Alexandra Liebherr, Kuratorin

Montag, 23. März

#callforart

Lieblingsstück von Dr. Simone Schimpf



Timm Ulrichs, „Mikado“. Ein Gesellschafts-„Riesenspielzeug“, 1972/73/2010

Timm Ulrichs, „Mikado“. Ein Gesellschafts-„Riesenspielzeug“, 1972/73/2010

Ende März 2020 wird Timm Ulrichs 80 Jahre alt! Seine Kunst aus nunmehr 60 Jahrzehnten wirkt frisch und treffend, als ob sie gerade erst entstanden wäre. Ein schönes Beispiel ist das riesige „Mikado“, das der Stiftung für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt gehört, denn Ulrichs ist seit 2012 Stiftungskünstler. Jeder kennt das Geschicklichkeitsspiel, das in diesem Fall aus 31 Holzstäben mit einer Länge von 3,60 m besteht. Ich kenne diese Arbeit nur aus unserem Depot. Dort liegen die schweren Stäbe kompakt eingelagert. Das letzte Mal war dieses große Werk in unserer Ulrichs-Retrospektive 2012 zu sehen. Sie nahm das ganze Erdgeschoss ein.

Beim Gesellschaftsspiel werden die Stäbchen geworfen und es entsteht ein zufälliger, wackeliger Haufen. Bei Ulrichs‘ Kunstwerk wird der anscheinende Zufall genau aufgebaut. Die Stäbe sind so schwer, dass sie nicht mehr von einem Einzelnen herausgeholt werden können. Das riesige Mikado lässt sich nur gedanklich spielen. Und das macht dieses Kunstwerk so interessant! Für mich ist es ein gelungenes Sinnbild von Gesellschaft/Gemeinschaft. Jedes einzelne Teil trägt zur Stabilisierung bei und hat in dem vermeintlichen Chaos seinen Platz.

Dr. Simone Schimpf, Direktorin