Hängepartie.

Kunst mit offenem Ende

Laufzeit: 15.01.2022 bis 01.05.2022

Eine Hängepartie ist eine Zeit der Ungewissheit, der ungeklärten Verhältnisse, des Hinhaltens. Der Begriff ist dem Schach entnommen. War in einem Spiel nach fünf Stunden noch kein Sieger in Sicht, wurde die Partie abgebrochen und damit die Entscheidung vertagt. Bildlich hingen die Spieler in der Luft über den Ausgang. Diese Praxis ist seit den 1990er-Jahren überholt, geblieben ist der Begriff der Hängepartie allerdings in der Alltagssprache.

Wir alle befanden uns wohl schon in einer solch ungewollten, leidlichen Schwebe. Im Angesicht der Pandemie wurde dieser meist temporär befristete zu einem Dauerzustand ohne Perspektive auf ein Ende – für alle Menschen, vor allem aber für die Kultur, für die Künstler*innen, die Galerien und die Museen. Was der Kunst allerdings nicht selten gelingt, ist, aus unwegsamen Situationen kreatives Potenzial zu schöpfen. Diese Fähigkeit lässt sich auch in das Ausstellungswesen überführen. Denn ist eine Ausstellung nicht schon immer das gewesen? Eine Hängepartie? Nicht in der Bedeutung ungeklärter Verhältnisse, sondern als Ausdruck der einzelnen Wortbestandteile: eine Partie, ein Ausschnitt aus der Welt der Kunst, die zum Hängen und damit zum Sehen gebracht wird. In diesem Sinne wird aus einer ausweglosen Lage plötzlich eine produktive Konstellation.

Das Museum für Konkrete Kunst möchte, statt in Schockstarre zu verfallen, Potenzial in der Hängepartie für Haus, Kunst und Publikum erkennen. Es will die allgemeingültig negative Konnotation umdeuten und daraus eine Ausstellung machen. „Kunst mit offenem Ende“ bedeutet auch „Kunst mit einer besonderen Spannung“, „Kunst zum Weiterdenken“. Gezeigt werden Werke aus der eigenen Sammlung sowie Arbeiten von Gästen, die ganz unterschiedliche Assoziationen zum Begriff der Hängepartie respektive einer Situation mit ungewissem Ausgang wecken. Die Ausstellung wird damit zur Hilfestellung: um in einer Hängepartie nicht allein das Schlechte zu sehen und um Künstler*innen, Betrachter*innen und dem Museum selbst über die ein oder andere eigene verfahrene Lage zu retten.

 

Künstler*innen

Nevin Aladağ

Afra Dopfer

Ceal Floyer

Gregor Hildebrandt

Timm Ulrichs

Heike Weber

uvm.