Gemalte Diagramme

Bauhaus, Kunst und Infografik


Richard Paul Lohse, Fünfzehn systematische Farbreihen in progressiven Horizontalgruppen, Öl auf Leinwand, 150 x 150 cm, 1962, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Nick Koppenhagen, Witterungsreport II – Bunt- und Bleistiftzeichnung auf Papier, 59,4 x 84,1cm, 2014

Hartmut Böhm, Ohne Titel, Lithografie, 27,5 x 27,5 cm, 1961, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Gefördert im Fonds Bauhaus heute der


Laufzeit: 31.03. bis 29.09.2019

Eröffnung am Samstag, den 30.03.2019
um 19.00 Uhr

Die Ausstellung „Gemalte Diagramme. Bauhaus, Kunst und Infografik“ legt offen, dass bis heute eine erstaunliche Wechselwirkung zwischen Infografik und Kunst besteht, deren Anfänge im Bauhaus und seinem Umfeld zu finden sind.

Ob Organisationspläne im Büro, Fieberkurven im Krankenhaus oder Wahlergebnisse im Fernsehen – Diagramme sind omnipräsent. Sie umgeben uns im Alltag und prägen unsere visuelle Erfahrung. Keine Zeitung oder Nachrichtensendung, die ohne diese Form des Infotainments auskäme. Wer etwas erklären oder von etwas überzeugen will, der versucht, Zahlen verpackt in Bildern zu liefern.

Diagramme sind Bilder, die statistische Größen und Größenbeziehungen vermitteln möchten; Bilder mit hohem Grad an Abstraktion, erzeugt mit minimalen Mitteln. Exakt so lassen sich viele Werke der Konkreten Kunst beschreiben. Dieser Parallele zwischen Infografik und Kunst geht das Museum für Konkrete Kunst (MKK) nach und spürt dabei auf, dass der Eindruck einer Ähnlichkeit nicht auf einem diffusen Gefühl beruht.

Mit dem Titel der Ausstellung nimmt sich das MKK dem Begriff einer Bauhaus-Schülerin an: Margaret Camilla Leiteritz ließ auf der Basis von Grafiken der Naturwissenschaften ihre „Gemalten Diagramme“ entstehen. Ausgehend hiervon nutzt das MKK die Irritation, die sich durch die Kombination der beiden Worte ergibt, für seine Präsentation zeitgenössischer Kunst: Das Gemalte lässt sich doch (zu) schnell mit dem Malerischen und dadurch mit einem subjektiven Kunstwerk gleichsetzen. Dem gegenüber steht das Diagramm als nüchterne, datengestützte und vermeintlich objektive Repräsentationsform. Die Ausstellung legt jedoch offen, dass seit der Zeit des Bauhauses bis in die Gegenwart eine erstaunliche Wechselwirkung zwischen Infografik und Kunst besteht.

Die Präsentation zeigt Werke von rund 30 internationalen Künstler*innen und demonstriert, wie Inhalte und Ästhetiken von Diagrammen auf subversive, ironische oder affirmative Art in der Bildenden Kunst eingesetzt werden. Andersherum betrachtet sie auch, welches Repertoire an künstlerischen Gestaltungsmitteln abermals von Grafikern*innen wie selbstverständlich angewandt wird. Aus beiden Perspektiven zeigt sich: Es geht immer um einen durch ästhetische Mittel gesteuerten Erkenntnisprozess, hinter dem im schlechtesten Fall die Manipulation und im besten Fall ein Wahrheitsgewinn steckt.  

Peter Weber


Peter Weber, Vernetzung, 2003, Filz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Helmut Bauer

Laufzeit: 14.04. bis 23.06.2019

Eröffnung Am Samstag, den 13.04.2019, 19:00 Uhr


Anlässlich des 75. Geburtstags von Peter Weber (*1944) erscheint ein opulentes Werkverzeichnis, das dank der Unterstützung des Sammlerehepaars Maximilian und Agathe Weishaupt möglich wurde. Webers Faltungen aus Filz, Baumwolle, Papier und sogar in Stahl waren schon öfters in Ingolstadt zu sehen. Für diese Jubiläumsschau im MKK  hat der Künstler einen ganz besonderen Querschnitt im Sinn.

Günter Fruhtrunk


Günter Fruhtrunk, Cantus firmus II, 1968, Acryl auf Leinwand, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto Helmut Bauer

Laufzeit: 30.06. bis 01.09.2019

Eröffnung am samstag, den 29.06.2019, 19:00 Uhr


Das Werk von Günter Fruhtrunk (1923-1982), der viele Jahre an der Münchner Akademie der Bildenden Künste lehrte, ist zu einem der charakteristischsten der alten Bundesrepublik geworden. Mit seinen Streifenkompositionen, die er mittels Leucht- und Kontrastfarben zum Flimmern brachte, ging Fruhtrunk in der optischen Wirkung bis an die Grenze des Erträglichen. In dem von der Günter Fruhtrunk Gesellschaft herausgegebenen Verzeichnis sind erstmalig alle Werkgruppen vollumfänglich abgebildet.  Aus der Sammlung von Maximilian und Agathe Weishaupt werden Meisterwerke ausgestellt.

Brunnquell

Lampendesign aus Ingolstadt


Traudl Brunnquell, LAMPE 8236, 1960er, © Nachlass Brunnquell, Foto: Helmut Bauer

Laufzeit: 13.10.

Eröffnung am Samstag, den 12.10.2019, 19:00 Uhr

 

Die Firma Brunnquell brachte nicht nur Licht, sondern auch erschwingliches Design in die Wohnwelten der BRD.  Um eine kleine Lampen-Produktion erweitert, wagte 1948 die Firma, die bislang in Thüringen  elektrische Ausrüstungen wie Rosetten, Lüsterklemmen, Armaturen und Abzweigringe produziert hatte, in Ingolstadt einen Neuanfang.

In der wechselvollen Firmengeschichte zeigen sich die Auswirkungen der politischen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts, wie sie viele mittelständische Betriebe erlebt haben. Davon losgelöst steht das Lampendesign. Es verkörpert eine neue Ära,  in der sich künstlerische Ideen mit einem fortschrittlichen Zeitgeist verbunden haben. Designgrößen wie Wilhelm Wagenfeld und Erich Slany  lieferten Entwürfe und Brunnquell-Leuchten wurden auf internationalen Messen ausgestellt. Vor allem aber ist die Firma zur Heimat und Berufung einer der wenigen Frauen des Lampendesigns geworden: Traudl Brunnquell-Adam (1919-2010). Die in Vergessenheit geratene Designerin wäre 2019 100 Jahre alt geworden – ein Anlass, sich mit ihrem Werk auseinanderzusetzen.

Die Stiftung für Konkrete Kunst und Design, die am MKK beheimatet ist, bewahrt und pflegt seit 2017 das Design-Erbe der Firma Brunnquell.

Wolfram Ullrich


Wolfram Ullrich, MIDI, 2013, Acryl auf Stahl, © Wolfram Ullrich, Foto: Hubert P. Klotzeck

Laufzeit: 20.10.

Eröffnung am Samstag, den 19.10.2019, 19:00 Uhr

 

Der in Stuttgart lebende Wolfram Ullrich (*1961) verblüfft das Publikum mit seiner perfektionierten Augentäuscherei. Die im Grunde nur minimal erhobenen Reliefs scheinen dank seiner raffinierten Technik eine große Körperlichkeit zu entwickeln und in den Raum zu kragen. Dynamische Anordnungen der mehrteiligen Arbeiten verändern die gesamte Raumwahrnehmung. Erstmalig bringt das Museum für Konkrete Kunst, begleitend zur Ausstellung,  einen umfangreichen Katalog heraus, der das Gesamtwerk des Künstlers darstellt.