AV_TULIP FIELDS_014

Bernhard Lang

Bernhard Lang: AV_TULIP FIELDS_014, 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Denkt man an Blumen in der Kunst, so denkt man an Claude Monets Seerosen, an Vincent van Goghs Sonnenblumen, an die niederländische Stillleben-Malerei eines Jan Brueghel d. Ä.. Im flämischen Barock waren Tulpen besonders beliebt wegen ihrer kräftigen Färbung und wurden zum Symbol für Kostbarkeit. Im 17. Jahrhundert galt die Tulpenzwiebel in den Niederlanden als hoch gehandeltes Spekulationsobjekt. Führte dies auch zur ersten dokumentierten Blase der Wirtschaftsgeschichte, haben sie bis heute einen besonderen Stellenwert in der niederländischen Ökonomie. Das Land führt im Jahr Blumen von mehr als sechs Milliarden Euro aus und ist damit unangefochtener Exportweltmeister. Das schlägt sich direkt in der Bodengestaltung nieder: 41.500 Quadratkilometer misst die Niederlande, auf knapp 18 davon werden Blumen angepflanzt. Daraus resultieren allerdings weder Wildwuchs noch dekorativ arrangierte Anordnungen vergleichsweise zu den Buketts der Stillleben-Malerei. Stattdessen zeigt die Luftaufnahme Bernhard Langs, dass eine auf Blumen spezialisierte Agrarkultur natürliche Formen massiv zurückdrängt. Es scheint, als habe sich der Mensch die Erdoberfläche mithilfe eines überdimensionierten Lineals zu eigen gemacht. Denkt man in diesem Zusammenhang immer noch an die Kunst, so denkt man nicht mehr an die Bilder Jan Brueghels. Da kommen einem eher die Werke eines anderen Holländers in den Sinn: Denn ähnelt die Fotografie von Blumen in Bahnen nicht den geometrischen Abstraktionen eines Piet Mondrians?