AV_FISHFARMS_004

Bernhard Lang

Bernhard Lang: AV_FISHFARMS_004, 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Was sich hier vor dem Auge aufspannt, ist weder ein im Orbit schwebender Satellit noch ein mikroskopierter Organismus. Vor den Küsten Griechenlands treiben diese ominösen, runden Gebilde im Wasser. In ihnen tummeln sich ganze Populationen.
Die Rede ist von Fischen – genau genommen geht es um die Dorade. Großflächige Netzsysteme beherbergen Tausende der Wassertiere. Obwohl sie im Meer schwimmen, kann man wohl kaum von einem „natürlichen Habitat“ sprechen. Statt in die Weiten des Ozeans ausscheren zu können, bleibt ihr Radius äußerst begrenzt, wie der Blick von oben zeigt. Die kreisförmigen Grenzlinien, die die Fische von der Freiheit trennen, wirken merkwürdig unnatürlich, fast befremdend.
Aus den gleichsam übergroßen Aquarien wird gefischt, um den von Fernweh getriebenen Reisenden ein unvergessliches Erlebnis zu bieten: Eine Auszeit in Griechenland mit gutem Essen, lange Gespräche bis die Sonne am Horizont versinkt und einer Meeresbrise in der Nase, gehört zum perfekten Urlaubsbild. Damit Touristen sich diesem Lebensgefühl hingeben und Einheimische vom enormen Export des Fischs profitieren können, bedarf es effizienter Strukturen. Diese prägen in Form von abstrakt anmutenden Aquakulturen die Küstenregionen des Landes und sind für den Besucher unsichtbar.