AV_CARRARA_001

Bernhard Lang

Bernhard Lang: AV_CARRARA_001, 2017 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Unter einem Landschaftsstrich der Toskana stellen sich die meisten wohl etwas anderes vor als das, was dieses Bild zu sehen gibt. Die Umgebung rund um Ingolstadts italienische Partnerstadt Carrara ist geprägt vom industriellen Steinbruch, wird doch der weltweit bekannte Marmor hier abgebaut. Die über 30 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten sind dort dem effizienten und ökonomisch sinnvollen rechten Winkel unterworfen. Dabei wird gesprengt und gemeißelt, um das Luxusgut zu transportablen Blöcken zu formen. Nie als reines Material verwendet, sondern stets als Statussymbol verbaut, findet es sich heute nicht mehr nur in Residenzen. Denjenigen, die es sich leisten können, liegt der helle Stein mehr als nur zu Füßen: als Boden oder Treppenstufe, als Fensterbank und Küchenplatte.

Begehrt wegen seiner edlen, zarten Maserung entstehen durch die hohe Nachfrage und dem daraus resultierenden fortschreitenden Abbau immer wieder neue Muster in der toskanischen Landschaft. Der Blick aus der Luft lässt erkennen, dass die Begierde nach natürlich geformter Schönheit und feinem Dekor aus Carraras Umgebung ein Areal von geometrischen Feldern gemacht hat. Was sich selbst durch seine natürlich adlige Blässe auszeichnet, führt zu fahler Industrielandschaft.