Logo

Die Kunst mit dem Zeichen

Ausstellungsplakat "Logo. Die Kunst mit dem Zeichen"

Laufzeit: 23.10. bis 19.03.2017

Am Samstag, 22.10.2016, hat das Museum für Konkrete Kunst (MKK) in Ingolstadt seine Ausstellung „LOGO. Die Kunst mit dem Zeichen“ mit großer Art and Beat Party eröffnet. Viele konkrete Künstler wie Max Bill, Anton Stankowski oder Victor Vasarely haben wichtige Logos für bedeutende Marken geschaffen. Bis heute liegt die Verbindung von Zeichen und der signalhaften Malerei in der Konkreten Kunst nahe. Das MKK geht erstmals dieser Beziehung nach und schafft dabei eine übergreifende Ausstellung, die Kunst, Grafikgestaltung und Design in bisher nie gezeigter Weise zusammenbringt.

Logo-Gestaltung und Konkrete Kunst – zwei gestalterische Felder mit auffällig vielen Parallelen
„Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann“, derart beschrieb Kurt Weidemann, Gestalter des Logos der Deutschen Bahn, eine gelungene Ausführung. Tatsächlich sind Verständlichkeit, Unverwechselbarkeit, Einprägsamkeit und Reproduzierbarkeit die Kriterien, an denen sich ein Logo bis heute messen lassen muss. Um diese Ziele zu erreichen, bedienen sich Designer häufig exakt derselben Mittel, die in der Konkreten Kunst Anwendung finden: Sie nutzen Grundformen, setzen auf Signalfarben und kommen immer mehr zur Reduktion. Diese Bezüge und Parallelen zeigt die Ausstellung eindrücklich auf, indem sie Kunst in direkter Nachbarschaft zur Logo- und Produktgestaltung präsentiert.

Konkrete Künstler als Logo-Gestalter

Der Erzählstrang der Schau geht mit der Linie, Form, Farbe und Fläche von den grafischen Bildelementen selbst und ihrer vielfältigen Verwendung aus. Gleichzeitig macht die Ausstellung kenntlich, dass zahlreiche Vertreter aus der Kunst- und Designsammlung des Museums für Konkrete Kunst selbst Logo-Gestalter waren: So ließ der Autohersteller Renault ein Zeichen von dem Op-Art Künstler Victor Vasarely und seinem Sohn Yvaral entwerfen, Karl Duschek entwickelte das Logo zur Deutschen Börse und Anton Stankowski gestaltete für die Deutsche Bank den berühmten „Schrägstrich im Quadrat“, der zu einem der bekanntesten Markenzeichen im globalen Finanzsektor geworden ist.

Gestalterbiografien, Firmenhistorien und Designgeschichte

Die Ausstellung räumt dabei nicht nur den aktuellen, sondern auch den historischen Zeichen ausgewählter Beispiele wie Audi, Nivea und Langenscheidt einen Platz ein. Dadurch macht die Ausstellung den Weg hin zu einem Logo anschaulich. Gleichzeitig zeichnet sie pro Exempel eine individuelle Gestalterbiografie oder eine jeweils spezielle Firmenhistorie nach und erzählt somit eine gemeinsame Designgeschichte seit dem frühen 20. Jahrhundert. 

Raum für zeitgenössische Kunst

Dabei will die Ausstellung „LOGO. Die Kunst mit dem Zeichen“ allerdings nicht als bloße Chronik wahrgenommen werden. Tatsächlich gibt sie neben all den gezeigten Archivfunden, Werbemitteln und Verkaufsobjekten auch zeitgenössischen Künstlern, wie Daniel Pflumm, Guido Münch und Ben Hübsch, Raum. Mit ihren Leuchtkästen und grellen Wandarbeiten setzen sie sich künstlerisch mit der Thematik des Logos auseinander.  

Edition und Katalog

Zusammen mit der Stiftung für Konkrete Kunst und Design entwickelte Ben Hübsch extra zur Ausstellung eine Künstleredition, die in limitierter Auflage käuflich zu erwerben ist. Im Dezember 2016 erscheint ein begleitender Katalog im Verlag Surface.

Auswahl beteiligter Logos: 

AEG, Apollinaris, Audi, BASF, Braun, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutscher Werkbund, ERCO, Langenscheidt, Lucky Strike, Messe Frankfurt, Munich RE, Museum für Konkrete Kunst, Nivea, Rat für Formgebung, Renault, Telekom, wohnbedarf

Auswahl beteiligter Logo-Gestalter:

Otl Aicher, Peter Behrens, Max Bill, Karl Duschek, Günter Fruhtrunk, Karl Gerstner, Raymond Loewy, Wolfgang Schmittel, Anton Stankowski, Victor Vasarely & Yvaral, Kurt Weidemann, Alexander Wollner, Jörg ZintzmeyerAuswahl vertretener künstlerischer Positionen: Rupprecht Geiger, Ben Hübsch, Guido Münch, Daniel Pflumm, Konstantin Voit, The Old Boys` Club, sowie viele künstlerische Arbeiten der genannten Logo-Gestalter

Recherche und Zukunft

Das zukünftige MKKD. Mit künstlerischen Beiträgen von Katharina Gaenssler und Thomas Neumaier

Ausstellungskarte "Recherche und Zukunft"

Laufzeit: 09.07. bis 04.09.2016

Am 7. Juni war es soweit: Der offizielle Baubeginn des neuen Museums für Konkrete Kunst und Design (MKKD) in der historischen Gießereihalle wurde von Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel feierlich eingeleitet. Die Ausführungsplanung ist abgeschlossen und so zeigen die hier ausgestellten Baupläne und Ren-derings des Wiener Architekturbüros querkraft das MKKD. Das Besondere an diesem Entwurf ist der Respekt vor der denkmalgeschützten Gießereihalle. Die Architekten reagieren äußerst sensibel mit modernen Materialien auf die Historie und setzen auf einen zeitgemäßen Dialog zwischen Neu und Alt. Die Bauarbeiten werden während der nächsten Jahre von zwei Kunstprojekten begleitet.

Die Münchner Künstlerin Katharina Gaenssler (*1974) fotografiert in einer Langzeitarbeit die Veränderungen in der 100 Meter langen Halle. Aktuell bespielt sie den Bauzaun mit einem Ausschnitt aus diesem Projekt.

Der Ingolstädter Thomas Neumaier (*1948) erarbeitet einen Multimediaguide zur Historie des gesamten Gießereigeländes. Dafür legt er viele Erinnerungsschichten, angefangen mit den archäologischen Funden, frei. Die industrielle Vergangenheit und die zukünftige Nutzung als Ausstellungsort spielen im neuen MKKD eine entscheidende Rolle.

herman de vries

stein, erde, holz

Ausstellungsplakat "herman de vries. stein, erde, holz"

In Kooperation mit dem Ernst Barlach Haus Hamburg und der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen

Laufzeit: 26.06. bis 09.10.2016

"stein, erde, holz" - Dieser Titel kündigt kurz und bündig an, was im Museum für Konkrete in Ingolstadt vom 26.06. bis 09.10.2016 zu sehen war. Was danach klingt, als ob Natur "bloß" in den Ausstellungsraum gebracht werden würde, bedeutet stattdessen: Natur wird zur Kunst. Möglich machte dies der niederländische Künstler herman de vries. Ihn mit seinen Arbeiten nach Ingolstadt zu holen, ist dem Museum für Konkrete Kunst gelungen - ein Coup, da er doch seit einigen Jahren ein Star der zeitgenössischen Kunstszene ist und von vielen großen Museen angefragt wird.

Gefundene Skulpturen 

herman de vries (*1931 in Alkmaar) arbeitet seit Jahrzehnten ausschließlich mit Fundstücken aus der Natur. Er sammelt weltweit Erdproben und durchstreift seine Wahlheimat - den Steigerwald - auf der Suche nach Hölzern, Blättern und Steinen, die ihn besonders ansprechen. Wie ein Naturwissenschaftler sortiert er seine Funde und bringt sie in visuelle Ordnungen. Durch die museale Präsentation mit Sockeln oder als strenge Boden- und Wandarbeiten lenkt herman de vries den Blick auf die Einzigartigkeit und Schönheit der Natur. Aus Natur wird mittels des Künstlers Kunst. Er erschafft unverwechselbare "Sculptures trouvées" (gefundene Skulpturen), wie er sie selber nennt.

Erdarbeiten von und für Ingolstadt

In seiner Ingolstädter Ausstellung konzentriert sich herman de vries ausschließlich auf Erden, Hölzer und Steine. Jede dieser Werkgruppen ist durch wichtige Exponate aus der jüngeren Zeit vertreten. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Erden. Denn herman de vries zeigt erstmals seinen umfangreichen Erdkatalog, der im Zusammenhang mit seinem sogenannten "Erdmuseum" (1999) in Frankreich entstand: de vries rieb je 20 Erdproben auf einem Papier aus und veranschaulicht so auf insgesamt 472 Blättern die unglaubliche Farbigkeit der Natur.
Neben bereits existierenden Werken wird das Museum für Konkrete Kunst in der Ausstellung auch eine Arbeit vorstellen, die explizit von und für Ingolstadt entsteht. Zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern aus der Region hat das Museum im Vorfeld der Schau verschiedene Erden gesucht und gesammelt, die nun in einer 12-teiligen Erdarbeit präsentiert werden. Auch die heimischen Erden zeichnen sich durch ihre besondere Farbvielfalt aus.

herman de vries

Der Künstler herman de vries lebt seit 1970 in Knetzgau bei Eschenau. Er arbeitete in seiner Jugend als Gärtner und Biologe und stellte frühzeitig in seinem künstlerischen Schaffen die Natur in den Mittelpunkt. Er verstand sein Werk immer im Kontext der Konkreten Kunst und nahm deshalb auch gerne die Einladung nach Ingolstadt an.2015 repräsentierte er offiziell die Niederlande auf der Biennale in Venedig. Sein Pavillon war einer der meistbesprochenen Darbietungen und der absolute Publikumsliebling. Außerdem war er im letzten Jahr an der großen Überblicksausstellung "ZERO" im Martin-Gropius-Bau in Berlin beteiligt und erhielt im Stedelijk Museum Schiedam eine umfangreiche Retrospektive.
Nach der Ausstellung "texte und tatsachen" 2001 greift das Museum für Konkrete Kunst nun nach 15 Jahren die Gelegenheit erneut auf, das vielseitige Werk des bedeutenden Gegenwartskünstlers zu präsentieren.

Künstlerbuch

Für die Ausstellung erschafft herman de vries ein Künstlerbuch, in dem alle 472 Blätter mit den Erdausreibungen als Faksimile wiedergegeben sind.

Nach der Präsentation in Ingolstadt ist die Ausstellung vom 22.10.2016 bis zum 08.01.2017 in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen zu sehen.

Martin Wöhrl

12 Halbe

Ausstellungsplakat "Martin Wöhrl. 12 Halbe"

Laufzeit: 11.06. bis 09.10.2016

Anlässlich der Feierlichkeiten rund um den 500. Jahrestag des Reinheitsgebots des Bieres zeigt das Museum für Konkrete Kunst eine Ausstellung zusammen mit Martin Wöhrl. Der Münchner Künstler ist bekannt für seine großformatigen Installationen. Aus Fundstücken wie gebrauchten Türblättern entwickelt er eine Wandinstallation für das Erdgeschoss des Museums. Nicht das Getränk selbst, sondern die spezifische und reduzierte Form des "Willibechers" steht im Mittelpunkt seiner Arbeit. Außerdem gestaltete Martin Wöhrl zusammen mit der Ingolstädter Brauerei Schwalben-Bräu und dem Grafiker Thomas Mayfried eine limitierte Flaschenedition. Diese wird am Abend der Eröffnung präsentiert und kann außerdem im Shop des Museums käuflich erworben werde

Martin Wöhrl

geboren 1974 in München, studierte Bildhauerei an der ADBK München als Meisterschüler von Prof. James Reineking, am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art. Er erhielt den Lothar-Fischer-Preis für Bildhauerei, war Stipendiat der Villa Concordia in Bamberg, USA-Stipendiat des Bayerischen Staates, Stipendiat des DAAD und ist Träger des Bayerischen Staatsförderpreises. Seine Werke sind unter anderem vertreten in den Sammlungen des Lenbachhauses in München, des Kunstmuseums Bonn und des Neuen Museums in Nürnberg. Er lebt und arbeitet in München.

Verknüpft

Haleh Redjaian und die Sammlung

Ausstellungsplakat "Verknüpft"

Im Rahmen des Projekts "Gewebe" von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V.

Laufzeit: 12.03. bis 12.06.2016

Orientalische Teppichtradition trifft auf westliche Abstraktion der Moderne: Die deutsch-iranische Künstlerin Haleh Redjaian (*1971) gestaltet für das Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt eine Ausstellung mit Teppichen, Faden-Wand-Installationen und Papierzeichnungen. Die Werke führen gestalterische Traditionen des Orients und der westlichen Moderne zusammen. Die Ausstellung "Verknüpft" setzt die Arbeiten der Künstlerin in Bezug zu ausgewählten Werken der Museumssammlung und der Stiftung für Konkrete Kunst und Design. Sie läuft von Samstag, 12. März bis Sonntag, 12. Juni 2016. "Verknüpft" ist der Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Gewebe. Textile Projekte" von "STADTKULTUR Netzwerk bayerische Städte". Bayernweit werden unter diesem Motto Ausstellungen, Vorträge und Workshops zu diesem Thema angeboten.

Kultureller und zeitlicher Dialog

Die deutsch-iranische Künstlerin Haleh Redjaian lebt in Berlin. Ihre Teppiche "verknüpfen" unterschiedliche kulturelle und historische Positionen hinsichtlich textiler Ornamentik. In der iranischen Stadt Kerman, die berühmt für ihre jahrhundertlange Teppichtradition ist, lässt die Künstlerin ungefärbte, einfarbige Teppiche weben, die sie anschließend mit zarten Fadenarbeiten überspannt oder mit Siebdruck bearbeitet. Ihr strenger Minimalismus widerspricht vollkommen der traditionellen iranischen Webkunst mit ihren ebenfalls zwar geometrischen, aber farbenfrohen und flächendeckenden Mustern. Haleh Redjaian knüpft vielmehr an die Textillehre des Bauhauses aus den 1920er Jahren an. Dort erlebte die Webkunst eine große Renaissance und wurde vor allem von Frauen, wie Gunta Stölzl oder auch später von Anni Albers, mit viel Erfolg betrieben. Neben Stoffen und Meterware entstanden damals auch zahlreiche Teppiche, denen eine besondere Rolle bei der modernen Inneneinrichtung zukam. Die strenge geometrische Ordnung stellte einen radikalen Bruch mit der orientalischen Ornamentik dar. Redjaian bezieht sich mit ihren Teppichen auf diese westliche Moderne einerseits und auf die klassische Webtradition im Iran andererseits. 

Wandarbeiten und Zeichnungen

Seit vielen Jahren arbeitet Redjaian auch mit Fäden im Raum, die sie zu Installationen verspannt. Für das Museum für Konkrete Kunst wird sie zwei neue große Wandarbeiten an den zentralen Stellen des Hauses entwickeln. Goldene Flächen werden dabei eine besondere Rolle spielen und erneut auf orientalische Traditionen verweisen. Schließlich zeigt sie rund 20 Zeichnungen, die durch ihre feinen Linien an Gewebe erinnern.

Verknüpft

Die Werke von Haleh Redjaian werden auf allen drei Ebenen des Museums zu sehen sein. Daneben werden Sammlungsbestände des Museums und der Stiftung für Konkrete Kunst und Design gezeigt. Redjaians Position ist für das Museum für Konkrete Kunst interessant, weil sich das Haus ausschließlich der ungegenständlichen, geometrischen Kunst widmet. In der Kunst Redjaians werden unterschiedliche Traditionen und kulturelle Betrachtungen von Abstraktion zusammengebracht. Außerdem ist der Bezug zum angewandten Bereich bei Redjaian ein wichtiger Aspekt für das Museum: Viele konkrete Künstler betätigten sich aus der Tradition des Bauhauses heraus im angewandten Bereich als Designer und Gestalter. In der Ausstellung werden Neuerwerbungen der letzten Jahre und schon lange nicht mehr gezeigte Bestände präsentiert und diese mit dem Werk Redjaians "verknüpft".

Beteiligte Künstler (Auswahl)

Monika Brandmeier, Erich Buchholz, Gerard Caris, Inge Dick, Piero Dorazio, Hans Jörg Glattfelder, Gotthard Graubner, Jon Groom, Heinz Mack, Constance Irene Murdock, Rudolf Ortner, Verner Panton, Jesús Rafael Soto, Klaus Staudt, Zdeněk Sýkora, Ludwig Wilding

Thomas Neumaier

Der rechte Winkel in der Natur

Ausstellungskarte "Thomas Neumaier. Der rechte Winkel in der Natur"

Laufzeit: 15.11. bis 28.02.2016

Für das MKK hat Thomas Neumaier ein Ausstellungsprojekt im Erdgeschoss entwickelt, das die Grundüberzeugungen der Konkreten Kunst ironisch und humorvoll hinterfragt. Daran zeigt sich, dass die Definition von Konkreter Kunst nicht zu eng verstanden werden sollte. Die Ausstellung umfasst rund 20 Fotografien, die in der letzten Zeit entstanden sind.

In der Konkreten Kunst gibt es viele Quadrate und rechte Winkel. Das ist eines ihrer markantesten Kennzeichen. Rechte Winkel sind in dieser Kunstrichtung beliebt, da solche in der Natur angeblich nicht oft vorkommen. Sie bilden nichts ab, sondern stehen allein für die mathematische Konstruktion eines Kunstwerks.

Tatsächlich findet sich der rechte Winkel häufiger in der Natur als man denkt. Neumaier hat sich auf die Suche begeben und kann diese alte Behauptung der Konkreten Kunst eindrücklich widerlegen. Dabei gelingt es ihm, den Blick auf den eigenen Körper und die Natur zu sensibilisieren. Und plötzlich sind die rechten Winkel überall....

Thomas Neumaier

Thomas Neumaier (*1948) lebt und arbeitet in Ingolstadt und Berlin. In der jüngsten Zeit hat er mit dem "Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus" in Pfaffenhofen für Aufmerksamkeit gesorgt. Seine konzeptuelle Kunst entwickelt er für spezifische Orte und Themen, gerne auch mit Performances.

Surfaces

Adolf Fleischmann - Grenzgänger zwischen Kunst und Medizin

Ausstellungsplakat "Surfaces. Adolf Fleischmann - Grenzgänger zwischen Kunst und Medizin"

In Kooperation mit dem Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt

Laufzeit: 25.10. bis 28.02.2016

Zum ersten Mal richten das Museum für Konkrete Kunst und das Deutsche Medizinhistorische Museum in Ingolstadt eine gemeinsame Ausstellung aus. Sie widmet sich Adolf Fleischmann (1892-1968), einer faszinierenden Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung zeichnet Fleischmanns Lebensweg nach und führt dabei erstmals beide Seiten seines Schaffens zusammen: seine "Berufung" als Künstler und seinen "Beruf" als medizinischer Zeichner und Moulagenbildner.

Berufung und Beruf

Adolf Fleischmann machte sich sowohl in der Kunst als auch in der Medizin einen Namen: In der Kunstgeschichte gilt er mit seiner flirrenden, heiteren Malerei als ein wesentlicher Vermittler von europäischer Konkreter Kunst in den USA. Als Sechzigjähriger fand er im New York der 1950er Jahre zu seinem unverwechselbaren Malstil. In der Medizingeschichte ist Fleischmann vor allem durch die Arbeiten bekannt, die er in den 1920er Jahren für die Chirurgische Klinik in Zürich anfertigte: naturgetreue Abformungen kranker Körperteile in Wachs (sogenannte Moulagen) und detailgenaue Zeichnungen mikroskopischer Gewebsbilder. In seiner New Yorker Zeit war er zudem als medizinischer Zeichner für die Columbia University tätig.

Eine ungewöhnliche Biografie des 20. Jahrhunderts

Die Präsentation hat den Anspruch, den "ganzen" Fleischmann zu zeigen und damit einer ungewöhnlichen Biografie des 20. Jahrhunderts auf die Spur zu kommen. Sie bezieht bewusst einen Aspekt mit ein, der bei Künstlerbiografien sonst häufig unerwähnt bleibt, nämlich die Frage, wie Fleischmann seinen Lebensunterhalt bestritt. Diese Frage ist auch deshalb so interessant, weil er als "Broterwerb" sowohl in Zürich als auch später in New York einer Tätigkeit im medizinischen Bereich nachging und es dabei zu beeindruckenden Leistungen brachte. So kommt es, dass sein Gesamtwerk eine ausgeprägte Zweiteilung aufweist: Seine medizinischen Arbeiten bestechen durch die perfekte Nachbildung der Natur, seine Gemälde dagegen sind frei von jeder Abbildung und wirken nur über die Farb- und Formensprache. Die Oberflächen - Surfaces - stellen ein Bindeglied zwischen diesen extrem unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern dar.

Unruhige Zeiten

Am 18. März 1892 in Esslingen am Neckar geboren, besucht Fleischmann die Kunstgewerbeschule und studiert daraufhin u.a. bei Adolf Hölzel an der königlichen Kunstakademie in Stuttgart, wo er sich erstmals mit der Kunst der Avantgarde auseinandersetzt. Zwischen den markanten Stationen in Zürich und New York lagen für Fleischmann bewegte Jahrzehnte in Europa, die durch die weltpolitische Lage geprägt waren. In den 1930er Jahren führte er ein rastloses Wanderleben zwischen Mallorca, Italien und Frankreich. Künstlerisch wurde er von den Kubisten und Konstruktivisten in Paris beeinflusst, wo er immer wieder, unterbrochen von Aufenthalten im Internierungslager in Südfrankreich nach 1939, lebte. Mitte der 1960er Jahre kehrt Fleischmann nach Deutschland zurück, wo er kurz vor seinem Tod am 28. Januar 1968 in Stuttgart u.a. im Württembergischen Kunstverein 1966 erste wichtige Einzelausstellungen in seinem Heimatland erfährt. Historische Fotografien, Briefe und Zeichnungen aus dem Lager veranschaulichen die einzelnen Lebensstationen in insgesamt sechs Kapiteln.

Zusammenführung des Werks

Die letzte große museale Kunstausstellung zu Fleischmann fand im Jahr 1992 statt. In der Ausstellung "Surfaces. Adolf Fleischmann - Grenzgänger zwischen Kunst und Medizin" werden knapp 60 Kunstwerke aus privaten Sammlungen in Süddeutschland sowie 11 Moulagen und 18 medizinische Zeichnungen aus dem Moulagenmuseum der Universität und des Universitätsspitals Zürich erstmals zusammen gezeigt.

Nach der Präsentation in Ingolstadt ist die Ausstellung vom 28.04. bis zum 18.09.2016 im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité zu sehen.